
Österreichs Alpen – da denkt man meistens an Tirol. Dabei schlängelt sich im äußersten Westen des Landes ein 39 Kilometer langes Tal zwischen Bludenz und der Bielerhöhe, das vielen Reisenden bisher entgangen ist: das Montafon. Verwall im Norden, Silvretta und Rätikon im Süden. Dazwischen liegt eine Landschaft, die Ruhe, Kultur und alpine Dramatik auf erstaunlich engem Raum vereint.
Ein Tal mit drei Gesichtern
Die Ill durchfließt das Montafon als größter Nebenfluss des Alpenrheins. Schon diese Wasserader erzählt viel über den Charakter der Region. Sattgrüne Almwiesen wechseln sich mit kargen Kalkfelsen ab, Hochmoore grenzen an Gletscher. Am Talende ragt der Piz Buin mit seinen 3.312 Metern als höchster Gipfel Vorarlbergs empor – direkt an der Schweizer Grenze. Ein Abstecher zum Silvrettasee lohnt sich allein wegen des Panoramas. Das Bergbild wirkt dort so perfekt arrangiert, dass du dich fragst, ob jemand nachgeholfen hat.
Nach dem Gipfel runterfahren – Erholung in Schruns
Auf Gipfeltouren lässt sich das Montafon aber keinesfalls reduzieren. Besonders Schruns, der Hauptort des Tals, hat sich als Rückzugsort nach langen Wandertagen etabliert. Das Wellnesshotel im malerischen Dorf Schruns arbeitet mit alpinen Rohstoffen wie Bergkräutern, Kupfer und Naturstein – eine Architektur, die den historischen Bergbau der Gegend widerspiegelt. Dazu kommt die Höhenlage von über 700 Metern. Die klare Luft tut ihr Übriges, und nach einem Tag in den Bergen merkst du den Unterschied schnell.
Über 1.160 Kilometer Wanderwege – für jedes Level
Drei Gebirgsgruppen, über 260 Touren und mehr als 1.160 Kilometer markierte Wege: Im Montafon findest du Routen für gemütliche Nachmittage genauso wie für ambitionierte Mehrtagestouren. Die Montafoner Hüttenrunde etwa erstreckt sich über 131 Kilometer und 13 Etappen – nichts für einen spontanen Sonntagsausflug. Das Verwall im Norden, ausgezeichnet als Natura-2000-Gebiet, zieht mit einsamen Bergseen und kaum begangenen Pfaden vor allem Ruhesuchende an. Im Rätikon warten 25 Klettersteige, darunter auch Einsteigerrouten direkt am Silvrettasee.
Kultur jenseits der Bergkulisse
Das Tal hat eine ausgeprägte regionale Identität, die weit über Naturerlebnisse hinausgeht. In Schruns dokumentiert das Montafoner Heimatmuseum den Alltag der Bergbauernfamilien und die Geschichte der Montafonerbahn, die seit 1905 zwischen Schruns und Bludenz pendelt. Typisch für die Gegend ist außerdem das Montafonerhaus – ein regionaler Bautyp mit unverwechselbarer Proportion. Lokale Feste in den Sommermonaten zeigen Tradition, wie sie hier tatsächlich gelebt wird. Kein Kostüm für Touristen, sondern echter Brauch.
Käsknöpfle und noch viel mehr
Käsknöpfle gehören im Montafon zum Alltag. Das ist kein Klischee, sondern Realität auf nahezu jeder Hüttenkarte. Der Montafoner Sauerkäse blickt auf eine noch längere Geschichte zurück: Seit dem 12. Jahrhundert wird er hier aus der Milch des einheimischen Braunviehs hergestellt. Über 21 Berghütten im Tal servieren dazu hausgemachte Strudelvariationen und Kräutergerichte aus regionalen Wildpflanzen. Die Almhütten sind dabei keine bloßen Aussichtspunkte. Sie sind eigenständige Einkehrziele mit Charakter – und wer einmal auf einer Terrasse mit Blick ins Tal gesessen hat, versteht, warum manche Gäste zum Essen wiederkommen und den Gipfel links liegen lassen.
So kommst du hin – und wie lange du bleiben solltest
Von München erreichst du Schruns per Zug in rund vier Stunden, mit dem Auto in etwa drei. Die Montafonerbahn verbindet den Ort im Halbstundentakt mit Bludenz, was das Tal bequem ohne eigenes Fahrzeug erschließt. Juli und August eignen sich am besten für Hochtouren und Almwanderungen, der Winter lockt mit Skifahren und Langlaufen auf über 33 Loipen. Für einen ersten Besuch sind vier bis fünf Tage ein guter Rahmen. Falls du noch weiter erkunden willst: Liechtenstein liegt keine Stunde entfernt und bietet alpine Ausflugsziele in unmittelbarer Nähe.
Was das Montafon von vielen anderen Alpentälern unterscheidet, ist die Dichte an Erlebnissen auf vergleichsweise kleinem Raum. Du brauchst keine langen Transfers zwischen Wandergebiet, Kulturprogramm und Abendessen: hier liegt alles nah beieinander. Genau das macht die Region so entspannt, selbst wenn du viel vorhast. Wer einmal erlebt hat, wie ein Tag im Montafon zwischen Gipfelwind und Hüttengemütlichkeit vergeht, nimmt mehr mit nach Hause als nur Fotos.
